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Diese ungewöhnliche Statue zeigt den Asketen Siddharta
als Buddha nach seiner leidvollen Wegfindung zur Wahrheit. Die Darstellung folgt 
seiner eigenen Beschreibung (siehe Text)
*
Das Erwachen zum  Buddha
 
Siddhartas Wandlung vom Prinzen zum Weisen
und Wegweiser


Aus der Buddha-Überlieferung





Siddharta Gotama aus dem Stamm Sakiya war der Sohn des indischen Lokalfürsten Raja. Er wurde 624 v.Chr geboren.  (nach der im Westen bestrittenen Theravada-Überlieferung)  oder 563 v.Chr. (nach politisch-geschichtlicher Rückrechnung) in Lumbini (rund 240 km mördlich  von  Benares). Sein Heimatort war Kapitalavatthu, heute Nepal (archäologisch nicht gesichert).

Siddharta heiratete mit 16 und hatte mit 29 Jahren einen Sohn Rahula.
Nach dessen Geburt verließ Siddharta sein Elternhaus und begann den sogenannten  „Buddhaweg“, so lehrt es die Tradition.

Siddharta starb 544 (483) im Alter von 80 Jahren an einer Lebensmittelvergiftung .  Er führte den
Ehrentitel BUDDHA, das heißt "Der zur Wahrheit Erwachte".

Er teilte seine Lbenszeit mit Lao Tze in China, mit den Natorforschern Thales und Anaximander in Griehenland, mit namhaften Propheten in Palästina.

In Indien forderten damals spirituelle Unabhängigkeitsbewegungen die Loslösung vom vedischen Opfer-Brahmanismus.  Aus der alten vedischen Opferreligion entwickelte sich der Hinduismus und der philosophisch-spekulative Vedantismus (Veden = sanskrit „Wissen“).  

Siddharta hatte eine sorgenfreie Jugend in Wohlergehen und Obhut.  Mit 29 Jahren machte der junge Mann eine schwere geistige Krise durch.
Die Legende erzählt, daß Siddartha eines Tages den Wunsch hatte, eine Ausfahrt in die königlichen Garten zu unternehmen, und König Suddkodana (sein Vater) alles vorbereitet, damit sein Sohn nur Schönes zu sehen bekomme. Und wirklich: „Freudiges Entzücken erfüllte des Prinzen Herz, als er die wohlgebahnten und besprengten Wege sah und die Bevölkerung in Festkleidern erblickte. Die Menge sah auf ihn, den schön geschmückten, und auf sein Gefolge.“

Aber ein Deva, ein Gott, störte die Harmonie, indem er einen alten, hinfälligen Mann am Wegesrand stehen ließ.

Als der Prinz ihn sah, fragte er erschrocken den Wagenlenker: „Was ist das für ein Mann mit weißem Haupthaar, des Augen triefen, der ge­krümmten Rückens entlang den Weg wankt, kaum noch mit einem Stabe den welken Leib mühsam aufrecht haltend? Hat plötzlich Hitze so ihm eingetrocknet den Körper, oder ist er schon geboren in diesem Zustand?“

In seiner Bestürzung weiß der Wagenlenker zunächst keine Antwort, bis er dem behüteten Prinzen die Wahrheit sagt: “Ver­änderung des Aussehens, Verfall der Lebenskraft, des Kummers Wachstum, der Lust entschwinden, Abstumpfung des Geistes, Kraftlosigkeit der Glieder sind Zeichen von dem, was Alter heißt. Ein Säugling war einst der Mann, an seiner Mutter Brust genährt, dann, voll von Lebenslust, ein schöner Jüngling ... doch mit den Jahren trat Verfall des Leibes ein, und jetzt hat Alter ihn ver­wüstet.

Entsetzt will Siddarnun wissen: „Ist jener nur geknickt vom Alter, oder wird mir und andern es wie ihm ergehen?“ Darauf der Wagenlenker: „Auch Euer Hoheit Erbteil hat dies Schicksal. Im Lauf der Zeit verändert die Gestalt sich, der zweifellosen Zukunft kann nichts wehren. Hin durch die ganze Welt muß einst des Alters Gewand, die junge Form ablegen, das ist das allgemeine Los. Eschüttert bricht Siddarta die Ausfahrt ab und kehrt nach Hause zurück.

Einige Zeit später unternimmt er eine zweite Ausfahrt, und diesmal begegnet er einem Kranken. Ringend mit dem Tode stand er seitwärts am Wege, aufgeschwollen und entstellt war sein Leib, er stöhnte und ächzte, tief aufseufzend und verkrümmt und wund erschienen Hand und Knie. Er murmelte jammernd, wäh­rend aus den Augen ihm Tränen liefen.


Wieder fragt Siddartha den Wagenlenker, wer das sei und erfährt, daß dies ein Kranker ist. „Leidet allein der Mann hier sol­ches, oder sind noch andere von gleicher Qual betroffen?“ will er wissen.  Und der Wagenlenker entgegnet: „Hin durch die ganze Welt trifft die Men­schen eben dieses Geschick, erdulden muß Krankheit eines jeden Leib, des Reichen und Großen wie des Armen und Beschränk­ten.

„Voll Angst und Kummer und „geistig aufgeregt, dem Bild des Mondes im Wasser gleich, vom Wellenzug gekräuselt“, kehrt er nach Hause zurück: „Ist's möglich, daß leichtherzig und lustig in Unwissenheit  und Täuschung weltliche  Menschen leben, während Krankheit als Räuber jederzeit kommen mag?"

Auf einer dritten  Ausfahrt begegnet er einem Leichenzug, und wieder fragt er: „Was trägt man dort mit auserlesenen Blu­men und Wimpeln, während sich, vom Gram bewältigt, das Haar zerrauft und jammert das Gefolge?“ Nun erfährt  er, daß  dies  ein Toter ist: „Kein Gedanke ist bei ihm noch im Herzen, sein Verstand hat sich verloren, entflohen ist sein Geist, welk und verfallen ist die Gestalt, tot wie ein Holzklotz liegt er da ausgestreckt, zerrissen sind die Bande der Sippschaft.“
Und zum dritten Mal fragt Siddartha: „Ist der allein gestorben, oder gibt es noch andre in der Welt des gleichen Zustands?“ Die Antwort war: „An allen Orten findet man seinesgleichen, wer ins Leben eintritt, verläßt es ebenso. In mittleren Jahren zwar stark und munter, geht er unvermeidlich dem Tode entgegen, weil er einen Leib hat.“

Nach diesen Begegnungen mit Alter, Krankheit und Tod entschwand dem Prinzen der Lebensmut. “Verstörten Sinnes lehnt auf die Wagenbrüstung der Prinz sich und sprach mühsam stam­melnd, weil ihm der Atem stockte: „Wie verderblich ist doch weltlicher Menschen Täuschung. Sorglos leben sie dahin, wäh­rend sie überall den Leib in Staub zerfallen sehen.“

Suddhodana (Siddhartas Vater) versuchte ihn aus seinem Trübsinn aufzumuntern, indem er ihn mit „Courtisanen“ umgab, „die ihn zu leichtfertigen Gedanken zu reizen suchten, indem sie „unter leichter Hülle der Glieder Formen sichtbar werden ließen, zierlich in weichem Gange sich bewegend, so wie die Braut sich dem Verlobten zö­gernd nähert, um das Gefühl der Liebe zu erregen“.

Aber Siddartha ließ sich auch von „üppigen Stellungen“ nicht reizen, sondern fühlte „zu ernstem Denken sich getrieben: Wußten jene denn nicht, wie bald der Jugend Schönheit schwindet, daß sie verblaßt im Alter und vergeht im Tode? ... Wahrlich, Alter, Tod und Krankheit, die sollten sie erwägen!

Zum ersten Mal angerührt von der Vergänglichkeit der Dinge und ihrer  Unausweichlichkeit begann Sidarta zu grübeln: “Ver­stört wie niemals früher, schlaflos bei Tag und Nacht, wie könnt' ich wohl nachjagen dem Vergnügen? Mich verzehren, die zweifel­los gewiß sind, Alter, Krankheit und Tod; wär ich dabei ver­schont von schweren Gedanken, dann müßt' ich ja ein Holzblock oder mein Herz ein Stein sein.”

In diesem Zustand machte er eine vierte Ausfahrt und traf nun auf einen Mönch, der aus dem gleichen Erleben bereits die Kon­sequenzen gezogen hatte :Er erzält dem jungen Prinzen: „Traurig und bedrückt von dem Den­ken an das Alter, Tod und Krankheit,  hab' ich mein Haus verlas­sen, um zur Rettung den Weg zu suchen ... Ich forsche darum nach dem Glücke dessen, was nicht verfällt und untergeht, was keinen Beginn des Daseins kennt, was Feind und Freund mit Gleichmut betrachtet, nach Reichtum und Schönheit nicht fragt.“

Und weiter beschrieb er Siddartha, wo ein Mönch diesen Weg findet: „Nur in der Einsamkeit, in unbesuchter Talschlucht, wo als Ein­siedler er unbelästigt leben kann, der Welt nicht mehr gedenkend, den Leib notdürftig mit Almosen ernährend.“

Wie im Traum kehrte Siddartha wieder in die Stadt zurück, denn sein „Herz schon weilte fern im Waldgebirge“. Zu Hause angekommen, war sein Entschluß gefaßt. Mit dem »tiefblauen Auge des Rinderkönigs, den Sinn erfüllt von religiösen Zielen, das Angesicht hellglänzend wie der Vollmond, sein Gang den Schrit­ten gleich des Löwenkönigs: So trat er in den fürstlichen Palast ein“, um seinem Vater den Entschluß mitzuteilen.

Aber sein Vater versucht ihn davon abzubringen: „Noch ist für dich die Zeit nicht da, um religiös zu leben. Das führt gar leicht zur Störung des Gemüts, du bist noch jung und stark, dein Herz schlägt kräftig, zu dämpfen die Begierden ist kaum möglich...”Und noch einmal ließ Suddhodana die „Palastdamen“ kommen, aber sie tanzten und wiegten sich umsonst.

Und als sie nach ver­geblicher Liebesmüh ermüdet im Palast einschliefen, erfaßte Siddartha erst recht der Ekel, als er sie so liegen sah: „Halbbekleidet lagen, vom Schlaf betäubt, in verdrehten Stellungen, gebeugt vornüber oder rücklings, ihre Musikgeräte ordnungslos daneben ... hingestreckt mit verwirrten Kleidern auf den Boden, als ob Züchtigung sie empfangen sollten, oder wie Kaniblumen mit gebrochnem Stengel ... den Mund halb oder ganz offen, aus dem widerlich der Speichel herablief ... das Haar in wilder Unord­nung, wie es bei Irrsinnigen zu sein pflegt... in wilder Ordnung hierhin und dorthin gestreckt, so lagen sie wie durcheinander ­geworfene Leichen.
 

Für Siddarta, „gedankenvoll in seiner Schönheit stillsitzend“, wurde dieser Anblick zum letzten entscheidenden Anstoß. Er er­kannte, daß die Welt nur Maja, nur Schein ist: „Vorher doch er­schienen so äußerst lieblich sie, die Stimmen lachend, die Herzen leicht und froh, die Formen jung und gerundet, glänzend ihre Blicke. Doch nun, welch ein Wandel - ohne Reiz, abstoßend häßlich! „Ist das die weibliche Natur noch, wie ist es dann nur  möglich, sie so hoch zu schätzen und ihr fest zu vertrauen? Auf falschen Schein und leere Vorspiegelungen! Nur Betörung und Täuschung bringen sie dem Sinne des Mannes.

Er erkennt, daß alles, was die Menschen unter Glück und Wohlsein erstehen,  alles wonach sie trachten und was sie erjagen wollen, in Wirklichkeit keinen Bestand hat und dem Verfall preisgegeben und deshalb die Quelle unausweichlichen Leides ist.  

Die quälende Einsicht, daß der Schein nur trügt und hinter allem Alter, Tod und Leiden lauert, ließen Siddarta den längst vorbereiteten Entschluß endlich in die Tat umsetzen: „Aufgewacht zur Wahrheit bin ich und entschlossen, so trügerische Um­gebung zu verlassen.“

Noch in der gleichen Nacht sattelte er sein Pferd und verließ Familie und Vaterhaus: „Nie kehr' ich wieder, wenn der Geburt, dem Alter und dem Tode ich nicht entfliehe...

Siddartha war nun in die Hauslosigkeit aufgebrochen. Und „ehe der Morgen anbrach, lag Kapilavatthu (seine Heimat) schon drei Jodschana (Wegstrecken weit) in seinem Rücken“.



Soweit die Legende, die in poetischer Form die Grundstimmung des Buddhismus wiedergibt. Aber die Erkenntnis von der Ausweglosigkeit des Leidens und der Vergänglichkeit war noch nicht die Erlösung selbst. Siddartha wußte jetzt das Ziel, aber noch nicht den Weg.

Deshalb begab er sich nun zu den Einsiedlern in „unbesuchter Talschlucht“, um den Weg aus dem Leiden zu finden.
Von der Bitternis des Anfangs erzählte er:

Da ich immer nur ganz wenig zu mir nahm, verfiel mein Körper extremer Magerkeit. Gleich dürren, welken Rohrknüppeln wur­den meine Gliedmaßen, gleich einem Büffelhuf wurde mein Gesäß und wie eine Kugelkette mein Rückgrat mit den herausstehenden und eingesunkenen Wirbeln. Wie an einem verfallenen Haus die Dachsparren freiliegen und sichtbar sind, so lagen meine Rippen frei und sichtbar, und wie in einem tiefen Brunnen der Wasser­spiegel tief unten schimmert, so schimmerten in meinen Augen­höhlen meine Augensterne tief unten. Einem Bitterkürbis gleich, der, wenn angeschnitten, in der Sonne schnell dorrt und schrum­pelt, so war meine Kopfhaut verdorrt und verschrumpelt. Wollte ich meine Bauchdecke fühlen, berührte ich mein Rückgrat, denn Bauch und Rückgrat waren durch meine äußerst geringe Nah­rungsaufnahme nahe aneinander gekommen. Beim Entleeren von Stuhl oder Harn türzte ich (vor Schwäche) vornüber, und wenn ich mir die Glieder mit der Hand rieb, fielen mir die an der Wurzel verrotteten Haare aus.

Der Asket und Mönch Siddharta Gotama war zunächst gescheitert. Im Alter von 35 Jahren entwicklte er aus den Erfahrungen und Lehren seines bisherigen Lebens eine für Indien völlig neue Konzeption menschliches Schicksal dem Kreislauf von Glück und Unglück zu entwinden.

Mit der "Übung der vier Tiefenstufen der Versenkung", das heißt mit Meditation lehrte er, will er erreichen, den Geist ruhig zu stellen, sich rein und begierdefrei zu sammeln und schichtweise die  Natur zu durchdringen.

Diese Übung soll reinkarnative  Rückerinnerung  an alle vorausgegangenen Existenzformen bewirken. Mit der daraus zu gewinnenden Erkenntnis, dass Taten und Willensakte die Folgen dieser Existenzen sind, soll das eigene „Rad der Wiedergeburten und des Leidens“ für immer angehalten werden.

Denkelemente und Überzeugungen verbinden sich blitzartig in einem Erkenntnisdurchbruch zu einem harmonischen System. Der kosmische Kreislauf von Werden und Vergehen wird schlagartig psycho-physisch erfahren, „erschaut“.

Glückhafte Erfahrung mit der Folge der plötzliche Wandlung des seiner selbst Unsicheren und Suchers zu einem Wegweiser und zu einer in sich ruhenden gelassenen Persönlichkeit.

Intellektuelles Erschauen des kosmischen Kreislaufs von Werden und Vergehen.


rad

Der Ausdruck Lebensrad bezeichnet unter anderem ein Symbol der buddhistischen Meditatiom. Kurz vor seiner Erleuchtung soll der Buddha den ewigen Kreislauf des Lebens gesehen und den Weg der Befreiung erkannt haben.



 
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