Jeschua Ben Miriam
 



Wer oder was ist Jeschua ben Miriam gewesen?


Die reale Gechichte kennt ihn als den von Inquisition ermordeten religiösen Querdenker und Weisen Jesus von Nazareth aus dem antiken Palästina.


Der jüdische Professor Joseph Klausner hat die Persönlichkeit und die Lehre Jesu mit folgenden Worten beschrieben. - Wir haben seine Feststellungen, für die wir in den Textzeugnissen keine Nachweise gefunden haben, mit (?) markiert:

"Jesus war Jude und blieb es bis zum letzten Atemzug (?)."
"Er erfüllte alle Zeremonien-Gesetze, wie ein echter Jude (?)."
"In seinen Äußerungen war Jesus jüdischer als die Juden (?)."
"Er war selbst gefühlsmäßig zweifellos Nationaljude und sogar ein extremer Nationalist (?)."
"Jesus von Nazareth war allein das Produkt Palästinas und des reinen, unvermischten, von keinerlei fremdem Einfluss berührten Judentums (?)."

Von alle dem war Jeschua ben Mijam (Joseph?), wenn man die antiken Überlieferungstexte unvoreingenommen liest, nichts. - Ob sich Jesus im nationalen Sinne als Jude gefühlt, begriffen oder bekannt hat, geben die Texte an keiner Stelle preis. Ob es überhaupt möglich war, sich im Palästina der Zeitwende als Nationaljuden zu begreifen, ist zweifelhaft. Dass die Heimat Jesu jemals in ihrer Geschichte ein Gotteswinkel war, in dem reines unvermischtes und von keinerlei fremdem Einfluss berührtes Judentum vorherrschte, ist zumindest ethnisch problematisch. 

Was wir aber wissen - und das bestätigen nicht nur die Texte - auch wenn sie beredt schweigen. Ein Opfer im Tempel oder gar ein Blutopfer z. B am Peschachfest wird in den Berichten nicht erwähnt. Desgleichen fehlen Hinweise auf Einhaltung anderer im Gottesstaat essentiell wichtige rituelle Handlungen und gottesdienstliche Anrufungen und Bekenntnisse. Statt dessen erkennen wir in den Überlieferungstexten den vehementen Widerspruch Jeschuas gegen die exemplarische Scheinheiligkeit des jüdischen Establishments und dessen Forderungen an das Volk zur (streng überwachten) Einhaltung der penibel detaillierten Normen und Vorschriften des jjüdischen Religionsgesetzes. 

Das brachte dem jungen Galiläer die Ausstoßung aus der theokratischen Bekenntnisgemeinschaft der Juden ein. Er wurde verolgt, steckbrieflich gesucht und für vogelfrei erklärt. Seine unter anderem mit Gotteslästerung begründete Exekution wurde mit allen Mitteln betrieben. 

Der Jesus in den Berichten kann also keinesfalls ein orthodoxer Nationaljude gewesen sein, und das jüdische Palästina war nie ein seinem Herrgott (Jahwe) ergebener Erdenwinkel. Der Mann stammte aus dem Galil, einem Gebiet im Norden Palästinas, das erst etwa einhundert Jahre vor seiner Geburt  mit skrupelloser Gewalt auf das jüdische Gesetz verpflichtet und unter Zwang mit Juden aus Judäa besiedelt worden war.

Die Heimatstadt Jeschuas war das Dorf Nazareth in Galiläa im Norden Palästinas. 

Der Bevölkerung Galiläas mit ihren ethnisch und kulturell bunt gemischten Wurzeln eilte der Ruf voraus kampflustig, trotzig und streitbar zu sein. Schon äußerlich betonten sie den Unterschied zu den Juden in Judäa mit ihrer Haartracht und Kleidung und der für sie eigentümlichen laschen Aussprache der aramäischen Umgangssprache des Landes. Nonkonformistisch verhielten sich die Galiläer auch gegenüber den jüdischen Glaubensgütern. Sie erschwerten die Arbeit der Kleinhändler, Leinenweber, Bauern, Handwerker und Fischer machten das Leben dieser Menschen zu einer schweren Bürde. Da war für penibles Tüfteln an Gesetz und Tradition weder hinreichend Zeit noch Gelegenheit noch Interesse.


Der Nazarener Jeschua gehörte wie fast alle Galiläer der Kaste der "Am-Haarez", das heißt der Ungebildeten an. Sie wurden von den elitären Juden in Judäa verachtet. Seine Verwurzelung in dem galiläischen Menschentyp wird in vielem erkennbar: So in seiner tiefen Verinnerlichung des einfachen galiläischen Lebens und des schönen Landes, in seinem Mut zum Widerspruch, in seiner pointierten Rede und seiner Polemik gegen den orthodoxen Traditionalismus. Jesus hatte wohl im eigenen Haus erfahren, wie der dogmatische Zwang zu "freudiger Gesetzestreue" die Menschen belastete.

Jesu kritische Haltung gegenüber Tradition und Tempel wird überzeugend deutlich, wenn seine galiläische Herkunft im Blickfeld bleibt. Seine erste öffentliche Provokation galt dem korrupten klerikalen Establishments (Ev. Johannes) und erhiet von seiner galiläischen Herkunft ihr lebensgefährliches Gewicht. Das Echo des ersten Paukenschlages seines Aufstandes gegen den Missbrauch des Tempels als Markt und reichste Bank weithin sollte bald schon von dem Hinrichtungsfelsen Golgotha widerhallen.

Der diabolische Gegenspieler Jesu hieß Joseph der Inquisitor (Kajaphas). Er war erzkonservativer jüdischer Spitzenpolitiker, Pontifex Maximums, Ratspräsident, einer der reichsten Männer Palästinas und gehörte der mit Rom kollaborierenden und korrupten Partei der aristokratischen Sadduzäer an. Vor dem intriganten Genie dieses Oberpriesters ging selbst der römisch-kaiserliche Administrator in die Knie. Dieser Kajaphas zog von Anfang an die Fäden der spurenlosen Vernichtung Jesu.

Aus dem Talmud erfahren wir, dass jeder Jude berechtigt und verpflichtet ist, einen Verführer zum Abfall durch Hinterlist in eine Falle zu locken, ihn auf die Probe zu stellen und zu entlarven. Das Stellen von ideologischen, gesellschaftlichen  und politischen Fallen war im Bereich der Verfolgung von Apostasie ein legales Mittel, zur Überführung eines Verdächtigen. Jesus erfährt und erleidet das volle Programm. Er wird verächtlich als Fresser und Säufer denunziert, als Helfershelfer des Teufels, als von Satan Besessener, als Gotteslästerer. - Man hört schon bald von geheimen Besprechungen und Plänen ihn umzubringen und von planvoller Lynchjustiz.

Das alles hatte jedoch nicht hingereicht, ihn eines Verbrechens zu überführen. So ist es nicht erstaunlich, dass Jesus kein gesetzlich legitimierter Prozess gemacht wurde, obwohl es eine entsprechende Gerichtsordnung der Juden gab. Das muss aber nicht zwingend heißen, dass der durchtriebene Pontifex Kajaphas auch willens war, sich daran zu halten. Der vor der Exekution intrigant vorweggenommene Todesbeschluss hätte jeden juristischen Prozess zur Farce gemacht. Das machte den Todesbeschluss zu einem kriminellen Mordkomplott der ideologischen Elite, Priester und Schriftausleger.

Die Schatten dieses Mordkomplotts, dem sein diabolischer Gegenspieler nur oberflächlich den Anstrich juristischer Legalität geben wollte und konnte, verdüsterten die letzten Stunden Jeschuas. Zwei raffiniert gestellte gottesstaatlich motivierte Fragen entschieden in frühmorgendlicher Stunde das schon vorvoraus bestimmte Schicksal des Nazareners. Nur dass sie gestellt wurden, war dem Inquisitor wichtig. Wie oder was Jesus darauf antwortete, war seinem taktierenden Verfolger nur beiläufiges Kalkül.

"Bist du der Messias"? - "Bist du der Sohn Gottes"? Zwei Fallbeile. Das eine für den römischen Richter zur Verfolgung und Verurteilung wegen Hochverrat und Majestätsverbrechen. Das andere für den Hohen Rat der Priester und Traditionsgelehrten zur Verfolgung und Verurteilung wegen Gotteslästerung und Mißachtung der theokratischen Gesetze.

Man hatte sich routiniert darauf vorbereitet, das intrigante Komplott zu einem exemplarischen Ende zu bringen.  Nur wenig später lag beim Schall der Festposaunen des Pechach zu Tode gemartert die Leiche Jeschuas in einem geliehenen Felsengrab in Sichtweite des Tempels der sein Schicksal geworden war - in Judäa.

Theo Trautner (Paffrath)
am 23. September 2014
(red. 22.03.2017)

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