Paulus von Tharsus


Der »frohen Botschaft« folgte auf dem Fuß die allerschlimmste: die des Paulus.
In Paulus verkörpert sich der Gegensatz-Typus zum »frohen Botschafter« (Jesus),
das Genie im Hass, in der Vision des Hasses, in der unerbittlichen Logik des Hasses.
Was hat dieser Dysangelist alles dem Hasse zum Opfer gebracht!
Vor allem den Erlöser: er schlug ihn an sein Kreuz.
Das Leben, das Beispiel, die Lehre, der Tod, der Sinn und das Recht des ganzen Evangeliums (Jesu d.V. ) - nichts war mehr vorhanden, als dieser Falschmünzer aus Hass begriff, was allein er brauchen konnte.“
Der Literat und Philosoph Friedrich Nietsche

Paulus hat alles vernichtet was an Jesus erinnerte. Er hat den Galiläer gehaßt, seinen Namen geflälscht und seine Identität geraubt. Doch eine amtliche Urkunde bezeugt bis heute dass Jesus mit einem bestimmten Namen gelebt hat und gestorben ist. Der kaiserliche Beamte der sie ausgestellt hat war Richter und Vollzugsbeamter in Judäa. Er hiess Pontius Pilatus. Er hatte die Verurteilung und die Umstände der Hinrichtung Jesu am Kreuz amtlich zu dokumentieren. Dabei mußte er die Hinrichtung und den Grund dafür an Ort und Stelle der Öffentlickeit zngänglich machen:

JESUS NAZARENUS REX JUDARUM
(Jesus von Nazareth König der Juden)
 

Wer König der Juden war bestimmte allein der römische Kaiser. Mit diesem Titel am Kreuz revangierte sich Pilatus für die erpresserische Anklage der Juden. Das haben sie auch so gesehen. Sie eilten umhgehend  vom Hinrichtungsplatz ins Pärtorium und forderten von dem Präfekten" schreib nicht der König der Juden sondern "der hat gesagt, ich bin der König der Juden". Die verärgerte Antwort des Pilatus lautete: "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben!"

Die in den Berichten erkennbare Persön Jesu läßt derartige königliche oder messianischkönigliche Ambitionen weder objektiv noch subjektiv erkennen. Selbstbezeichnungen als "Königlich Gesalbter" (Chraestos - Cristus) ist in den kanonischen Überlieferungen nicht nachzuweisen und wohl auch nicht in den Analen Roms. Pontius Pilatus wußte nichts von messianischen und terroristi
schen Umtrieben des Jesus bezehungsweise als mesianischer Terrorist. Seine Polizei wäre sofort mit Anwendung tödlicher Vollmachten eingeschritten.

Diese Titel im Zusammenhang mit Jesus von Nazareth stehen in Verbindung mit einer nach der Hinrichtung Jesu mehrheitlich im griechischen Ausland agierenden endzeitlich orientierten jüdischen Sekte die sich Gemeinde Jesu Christi nannte.  Der Gründer dieser Sekte war der radikaljüdische Pharisäer Paulus der seinerzeit in Verbindung mit dem saduzäischen HohePriester am Tempel in Jerusalem stand. Dieser mit der römischen Besatzung kolaborierende Spitzenkleriker des jüdischen Gottesstaates war es auch, der die Kreuzigung Jesu von Nazareth verleumderisch betrieben hatte.    

Dieser Paulus soll nach der Überlieferung von seinem Vater das römische Bürgerrecht geerbt und im Zusammenhang damit den Namen Paulus (ehedem Shaul oder Saulus) angenommen haben. Paulus erscheint in der Überlieferung als irritierend schillernde Persönlichkeit. Objektive historisch überprüfbare Überlieferungen von ihm persönlich gibt es nicht. Was man über ihn erzählt stammt aus seinen Missionsbriefen und wird in der frühesten Kirchengschichte (Acta Apostulorum) berichtet, die ein gewisser Lukas zwischen 60 und 90 verfasst hat .

Als Heimat des Paulus gilt die heutige türkische Hafenstadt Tarsus. Seine Eltern waren „Rechtgläubige“, also orthodoxe Juden.  Paulus erlernte und praktizierte zunächst das Handwerk des Zeltmachers. Schon früh wurde er als Schriftgelehrter ausgebildet und in Jerusalem von einem berühmten Pharisäer (Gamaliel I) unterrichtet. Danach war er als Pharisäer für seine eigene jüdische Gemeinde zuständig.

Paulus handelte im Auftrag des Hohen Rates, der den Straßenpöbel in Jerusalem aufgehetzt und von Pilatus gefordert hatte Jesus zu  kreuzigen. In Jerusalem und in der jüdischen Zelle von Dmaskus verfolgte er Jesusanhänger.  Er denunzierte sie und hat zumindest einer Hinrichtung "mit Wohlgefallen“ beigewohnt. Dann verwüstete er jene Gemeinde. Er drang in die Häuser der Verfolgten ein, verschleppte Frauen und Männer und sorgte für Ihre Verhaftung. Es wird berichtet, er habe von dem Hohe Priester in Jerusalem, den schriftlichen Auftrag dazu erbeten und erhalten,

Nahe der Stadt Tharsus, soll Paulus eine visionäre Lichterscheinung gehabt haben. Ein himmlisches Licht habe ihn umstrahlt, worauf er zu Boden fiel und innerlich die Stimme Jesu hörte, die sagte: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" Paulus antwortete: "Wer bist du, Herr?": Die Stimme antwortete: "Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst." Von der Lichterscheinung bzw. einer hörbaren Stimme berichtet Paulus selbst nichts. Er schreibt allerdings in einem Brief an die Galater, Er hat seinen Sohn (Jesus) offenbart in mir“.

Dieser halluzinative Bestandteil der biblischen „Offenbarung“ sollte zur Quelle- und zum Schlüsselereignis für die Entstehung der christlichen Ideologie werden. Paulus bekannte danach reumütig, wie es heißt, in seinem Eifer für das „Gesetz“ (das jüdische Religionsgesetz) ein todeswürdiges Unrecht begangen zu haben, dem er sein bisheriges Leben geopfert hatte. Nun aber habe Gott ihm in der Person Jesus Christus (Umbenennung Jesu von Nazareth) seinen wahren Willen direkt und unvermittelt offenbart.

Der Kern dieser Geschichte liefert im Ton beschwörend die Begründung für die  Wandlung vom mörderischen Menschenjäger zum Verfasser der Christlichen-Ideologie und installiert ihn selbst als deren Missionar. Paulus desavouierte bis zur Unkenntlichkeit das Andenken an das Leben und die Lehre Jesu von Nazareth. Über die wahren Hintergründe dieser geistigen Verwandlungen ist nichts zu erfahren. Sie sind eisern gehütete Geheimnise des Paulus und jener Mitglieder der Jesusgemeinde in Damaskus, die den vorübergehend krank gewordenen Paulus nach dem Ereignis vor den Toren der Stadt für eine Weile aufnahmen.

Die Vermutung, dass es sich um einen gemeinde- und missionspolitischen Coup gehandelt haben könnte, liegt nahe. Die jüdische Zelle in Tarsus hatte wie jede andere jüdische Gemeinde ihre Kollekte an den Tempel in Jerusalem abzuliefern. Möglicherweise schrumpfte  die Mitgliederzahl der Gemeinde und damit deren Einnahmen. Einer Erweiterung der Gemeinde stand ihr jüdischer Charakter und die Tatsache im Weg, dass man fürchtete, als konvertierte Anhänger Jesu von Nazareth angesehen zu werden. Die Geldquellen der Geimeinde versiegten und es bedurfte einer  materielllen und politischen  Neuausrichtung der Gemeinde-Ideologie. Diese war dem beredten sadduzäisch geschulten und mit den politischen Praktiken und Absichten des Hoheporiesters in Jerusalem vertrauten Paulus wohl bestens zuzutrauen. Die Beratungen zogen sich über Wochen hin. Während dieser Zeit meldete sich Paulus krank und zog sich Paulus als Gast der Gemeinde zurück. 


Paulus soll angeblich Jesus selbst nicht gekannt haben. Als aber Jesus gekreuzigt wurde, befand sich der 20-jährige Paulus mit großer Wahrscheinlichkeit in dem theokratischen Pulverfass Jerusalem. Die Stadt Davids war das orthodoxe Zentrum mit diversen schriftgelehrten Schulen wie jener des Pharsäers Gamaliel. Hier galt das Gesetz Jahwes um dessen Geltung Schriftausleger und die korrupte Priesterschaft eifersüchtig stritten. 

Sekten buhlten um „blinde“ Anhänger und fanatisierte Endzeitpropheten verdunkelten die Gehirne der Menschen und hatten leichtes Siel. Die Stadt wurde von messianisch motivierten Aufständen und brutalen Gegenaktionen der römischen Provinzadministration erschüttert. Wallfahrten und Tempelfeste führten zu gefährlichen Ansammlungen in der Stadt und auf dem Tempelgelände. Korruption, Lynchjustiz, und Terrorismus förderten Angst und Schrecken. „Das Recht war zu Boden getreten“, wird gesagt. Im verborgenen Bodenterrain des Tempels feierten Priester orgiastische Feten und das Volk versank in Armmut während Reichtum den Tempel zur reichsten Bank im vorderen Orient avancieren ließ.

Paulus wird 57 n. Chr. von den Juden in Jerusalem Anstiftung zum Aufruhr vorgeworfen. Er wird nach Cäsarea der Verwaltungshauptstadt Judäas gebracht. Der Stadthalter Felix Nachfolger von Pilatus, kerkerte ihn ein. Paulus beruft sich auf sein römisches Bürgerrecht und will seinen Fall dem Kaiser in Rom darlegen. 
In Rom aber wird Palus, enthauptet.

Die von Jesus von Nazareth vorhergehenen Katastrophen brachen über Judäa mit nie dagewesener Wucht herein. Im Jahr 70 begann die Eroberung Jerusalems durch die Truppen Roms. Der Tempel wurde ausgeraubt, geschleift und seiner Zukuft für immer beraubt. Die Stadt wurde niedergebrannt und bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Die Jerusalemiter, das "Volk" Jahwes wurde, zerstreut, vertrieben, versklavt, getötet.

Der Gottesstaat ist spurenlos verschwaunden. Die Erinnerungen an seinen arroganten Hochmut und an seine Verbrechen, vor allem aber an den fürchterlichen Schrei "cruzifige eum!" - "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Mat 27.26" lebt als Menetekel weiter - nicht nur in Palästina.

Alexander Paffrath Trautner
10.03.21