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Galiläa



Wer war Jesus

Die Welt, in der Jesus lebte, war alles andere als ein frommer Gotteswinkel, in dem man freudig entzückt nach dem Religionsgesetz lebte, in frommen Vesen dachte und nichts anderes als den Bund Gottes im Kopfe hatte.  Im heiligen Land Jahwes herrschten Ausbeutung, Armut, Korruption, intellektuel­ler Fanatis­mus und soziales Kastendenken. Ununterbrochen feg­ten blutige Aufstände durch die jüdischen Lebensräume und führ­ten in nicht endende Zerfallspro­zesse.

Das Volk litt unter religiöser Orientierungslosigkeit. Eine In­flation bunt schillernder, messianischer Erwartungen überla­gerte die alten prophetischen Kündungen. Im Gemenge mit der bedrückenden politischen Aktualität betäubte sie die natürlichen Kräfte für Reali­tät und Zukunftsgestaltung.

Jesus warnt vor dieser Entwicklung eindringlich und sieht poli­tisch hellsichtig das bedrohliche Ende heraufziehen. Und was den politischen Messianismus betrifft, mahnte er: Wenn je­mand be­hauptet, hier oder da ist der Messias, glaubt das nichtWenn sie zu euch sagen, schaut in der Wüste ist er, dann geht nicht da hin. Und wenn man sagt, in jenem Raum ist er, glaubt es nicht. Es werden viele Messiasse auftreten.

Eine zeitgenössische Studie bestätigt Jesus erstaunlich genau und beschreibt die Zustände im jüdischen Kerngebiet, dem ortho­doxen Judäa fol­gendermaßen. "So war Judäa eine wahre Räuberhöhle. Wo sich nur eine Schar von Auf­rührern zusammen­tat, wählten sie gleich Kö­nige", die "gegen ihre eigenen Lands­leute weit und breit mit Mord und Tot­schlag" wüteten.

Eine andere Stelle erwähnt einen alten Soldaten namens Teron. Der lief durch die Straßen Jerusalems und rief: Das Recht ist zu Boden getreten, Die Wahrheit untergegangen, es herrscht die Lüge und Bosheit. Die Natur ist verkehrt. Das Maß der Ruchlo­sigkeit ist voll. Aber eine Wolke verhüllt die Lei­den der Men­schenwelt vor den Augen der Frevler

Wer die Werke des antiken Historikers und römischen Juden, Flavius Josephus, liest, hat in weiten Zügen den Eindruck, daß das schmale Land zwischen Ägypten und Syrien nie aufgehört hat, eine Sumpfgrube menschlichen Blutes zu sein.

Dass Jesus an rituellen Blutopfern im Tempel am Peschachfest teilgenommen hat wird in den Berichten nicht erwähnt. Statt dessen erkennen wir in den Überlieferungstexten den vehementen Widerspruch Jeschuas gegen das jüdische Establishments und dessen Forderungen an das Volk zur streng überwachten Einhaltung der penibel detaillierten Normen und Vorschriften des Religionsgesetzes. 

Das brachte dem jungen Galiläer die Ausstoßung aus der theokratischen Bekenntnisgemeinschaft ein. Er wurde steckbrieflich gesucht und für vogelfrei erklärt. Seine unter anderem mit Gotteslästerung begründete Exekution wurde mit allen Mitteln betrieben. 

Jeschua stammte aus dem Galil, einem Gebiet im Norden Palästinas, das erst etwa einhundert Jahre vor seiner Geburt  mit skrupelloser Gewalt auf das jüdische Gesetz verpflichtet und unter Zwang mit Juden aus Judäa besiedelt worden war. Sein Heimatort war das Dorf Nazareth. Dort wuchs er auf, besuchte die Synagoge und wurde in der hebräisch-jüdischen Geschichte und dem Religionsgesetz des Gottesstates unrerrichtet. Nach seiner Reife arbeitete er mit seinem Stiefvater als Holzhanwerker.

Der Bevölkerung Galiläas mit ihren ethnisch und kulturell bunt gemischten Wurzeln eilte der Ruf voraus kampflustig, trotzig und streitbar zu sein. Schon äußerlich betonten sie den Unterschied zu den Juden in Judäa mit ihrer Haartracht und Kleidung und der für sie eigentümlichen laschen Aussprache der aramäischen Umgangssprache des Landes. Nonkonformistisch verhielten sich die Galiläer auch gegenüber den jüdischen Glaubensgütern. Sie erschwerten die Arbeit der Kleinhändler, Leinenweber, Bauern, Handwerker und Fischer machten das Leben dieser Menschen zu einer schweren Bürde. Da war für penibles Tüfteln an Gesetz und Tradition weder hinreichend Zeit noch Gelegenheit noch Interesse.

Der Nazarener Jeschua gehörte wie fast alle Galiläer der Kaste der "Am-Haarez", das heißt der Ungebildeten an. Sie wurden von den elitären Juden in Judäa verachtet. Seine Verwurzelung in dem galiläischen Menschentyp wird in vielem erkennbar: So in seiner tiefen Verinnerlichung des einfachen galiläischen Lebens und des schönen Landes, in seinem Mut zum Widerspruch, in seiner pointierten Rede und seiner Polemik gegen den orthodoxen Traditionalismus. Jesus hatte wohl im eigenen Haus erfahren, wie der dogmatische Zwang zu "freudiger Gesetzestreue" die Menschen belastete.

Jesu kritische Haltung gegenüber Tradition und Tempel wird überzeugend deutlich, wenn seine galiläische Herkunft im Blickfeld bleibt. Seine erste öffentliche Provokation galt dem korrupten klerikalen Establishments (Ev. Johannes) und erhiet von seiner galiläischen Herkunft ihr lebensgefährliches Gewicht. Das Echo des ersten Paukenschlages seines Aufstandes gegen den Missbrauch des Tempels als Markt und reichste ank weithin sollte bald schon von dem Hinrichtungsfelsen Golgotha widerhallen.

Rekonsstruktion des Jahwe-Tempels in Jerusalem

Der diabolische Gegenspieler Jesu hieß Joseph der Inquisitor (Kajaphas). Er war erzkonservativer jüdischer Spitzenpolitiker, Pontifex Maximums, Ratspräsident, einer der reichsten Männer Palästinas und gehörte der mit Rom kollaborierenden und korrupten Partei der aristokratischen Sadduzäer an. Vor dem intriganten Genie dieses Oberpriesters ging selbst der römisch-kaiserliche Administrator in die Knie. Dieser Kajaphas zog von Anfang an die Fäden der spurenlosen Vernichtung Jesu. 

Aus dem Talmud erfahren wir, dass jeder Jude berechtigt und verpflichtet ist, einen Verführer zum Abfall durch Hinterlist in eine Falle zu locken, ihn auf die Probe zu stellen und zu entlarven. Das Stellen von ideologischen, gesellschaftlichen  und politischen Fallen war im Bereich der Verfolgung von Apostasie ein legales Mittel, zur Überführung eines Verdächtigen. Jesus erfährt und erleidet das volle Programm. Er wird verächtlich als Fresser und Säufer denunziert, als Helfershelfer des Teufels, als von Satan Besessener, als Gotteslästerer. - Man hört schon bald von geheimen Besprechungen und Plänen ihn umzubringen und von planvoller Lynchjustiz.

Das alles hatte jedoch nicht hingereicht, ihn eines Verbrechens zu überführen. So ist es nicht erstaunlich, dass Jesus kein gesetzlich legitimierter Prozess gemacht wurde, obwohl es eine entsprechende Gerichtsordnung der Juden gab. Das muss aber nicht zwingend heißen, dass der durchtriebene Pontifex Kajaphas auch willens war, sich daran zu halten. Der vor der Exekution intrigant vorweggenommene Todesbeschluss hätte jeden juristischen Prozess zur Farce gemacht. Das machte den Todesbeschluss zu einem kriminellen Mordkomplott der ideologischen Elite, Priester und Schriftausleger.

Die Schatten dieses Mordkomplotts, dem sein diabolischer Gegenspieler nur oberflächlich den Anstrich juristischer Legalität geben wollte und konnte, verdüsterten die letzten Stunden Jeschuas. Zwei raffiniert gestellte gottesstaatlich motivierte Fragen entschieden in frühmorgendlicher Stunde das schon vorvoraus bestimmte Schicksal des Nazareners. Nur dass sie gestellt wurden, war dem Inquisitor wichtig. Wie oder was Jesus darauf antwortete, war seinem taktierenden Verfolger nur beiläufiges Kalkül.



Abildung des Hoepristers

"Bist du der Messias"? - "Bist du der Sohn Gottes"? Zwei Fallbeile. Das eine für den römischen Richter zur Verfolgung und Verurteilung wegen Hochverrats und Majestätsverbrechens. Das andere für den Hohen Rat der Priester und Traditionsgelehrten zur Verfolgung und Verurteilung wegen Gotteslästerung und Mißachtung der theokratischen Gesetze.

Man hatte sich routiniert darauf vorbereitet, das intrigante Komplott zu einem exemplarischen Ende zu bringen.  Nur wenig später lag beim Schall der Festposaunen des Pechach zu Tode gemartert die Leiche Jeschuas in einem geliehenen Felsengrab in Sichtweite des Tempels der sein Schicksal geworden war - in Judäa.

Jesus - Moderne Darstellung 




 








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